Neuerungen in Düsseldorf

Nachdem unsere Hydrauliksteuerung nicht mehr hundertprozentig funktionierte und wir in Düsseldorf keine Möglichkeiten hatten um uns genauer damit auseinander zu setzen musste eine Übergangslösung her.

Ein alter Autopilot ist eingebaut, mit Hydraulikpumpe. Diese Pumpe wollten wir benutzen um mit Hilfe eines „Joysticks“ das Lenkrad zu umgehen. Klingt ein wenig kompliziert war aber durchaus machbar, mit relativ geringem Aufwand. Der „Joystick“ ist ein kleiner Schalter aus einem Elektronikmarkt und damit man ihn besser bedienen kann kam ein Holzkästchen dazu.

Steuerstand

Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass wir die restliche Tour von Düsseldorf aus ohne diesen Schalter nicht geschafft hätten. Die Lenkung funktionierte ohne Probleme, der Pumpe des alten Autopiloten und Berts Erfindungsgeist sei Dank.

Im Winter hatten wir uns auch noch einen Raymarine Plotter gekauft. Nachdem wir auf der „BOOT“ in Düsseldorf die Neuheiten der bekannten Marken betrachtet hatten war uns klar: wir brauchen ein Gerät auf dem wir auch etwas erkennen können. Nachdem wir jahrelang mit Raymarine gute Erfahrungen gemacht haben werden auch unsere neuen Geräte wieder von dort kommen. Auf der Messe konnten wir die neuen Touchscreen Geräte testen. Was an dem Messestand schön bunt aussah und sich gut bedienen ließ möchte ich auf einem Boot was sich doch mehr bewegt als der Hallenboden, nicht haben. Ich stellte mir immer vor wie es ist, wenn man bei Seegang versucht das richtige Feld zu treffen…

Unsere Entscheidung fiel auf einen älteren Raymarine Plotter der E Serie, mit Knöpfen und einer Navionicskarte für Europa.  Schön groß, so dass die Karte auch für uns gut zu erkennen ist. Schließlich wird man nicht jünger und die Augen nicht besser…

der „neue“ Plotter

Last but not least gab es noch einen anderen Stuhl für den Steuermann. Dabei mussten wir ebenfalls improvisieren aber das Ergebnis brachte den gewünschten Erfolg: man saß bequemer während des Steuerns. Eigentlich sind wir nicht diejenigen die gern am Ruder stehen, dafür gibt es elektrische Autopiloten. Aber auf dem Fluss bleibt uns nichts Anderes, da müssen wir es so bequem wie möglich machen.

Steuersitz

Back to the roots…

Wieder einmal machten wir uns Gedanken darüber, wohin wir unser Schiff bringen konnten damit wir es in der Nähe haben. Ständig nach Lemmer zu fahren, wo sie anfangs noch lag, kam nicht in Frage.

Nachdem wir bei den Möglichkeiten in der Nähe angefragt hatten kamen wir zu dem Schluss: wir gehen wieder nach Lampertheim.  Wir wollten selber machen und auch mit unserer Vorstellung von zwei Jahren hatten wir schon bei so Einigen Stirnrunzeln hervorgerufen.  Nicht so beim Bootshaus Kern.

Mitte September 2018 machten wir, in Lemmer, die Leinen los. Einige Tage vorher waren die beiden Masten gelegt worden, mit Hilfe des Voreigners und seiner Freunde die dieses Prozedere schon seit Jahren gemacht hatten. Wir hatten alles festgehalten und werden sehen ob wir uns das Zutrauen oder doch lieber mit Hilfe eines Kranes die Masten wieder stellen, bis dahin vergeht sicher noch Zeit.

Vor uns lag die gleiche Strecke die wir 2010, mit der Anjuli Nui, gefahren waren. Diesmal in die andere Richtung und den Rhein stromaufwärts.

Die Ankündigung eines 3er Windes, direkt von vorne ließ uns sehr früh starten. Vor uns lagen 30 sm bis zur Einfahrt in die Ijssel. Nach knapp 2 Stunden wussten wir wieder, warum wir das Ijsselmeer nicht mögen. Hakige, kurze Wellen schüttelten uns ziemlich durch und Buddy machte zeitweise den Eindruck als hätte er mit allem abgeschlossen.  

Am Abend machten wir in Hattem fest und waren glücklich den ersten Teil hinter uns zu haben. Die nächsten Tage brachten uns gemächlich die Ijssel hoch bis zum Rhein. Das Wetter spielte mit und wir gewöhnten uns wieder an das „Unterwegssein“.

Lange hatten wir hin und her gerechnet, wie lange wir für die Strecke brauchen könnten. Je höher wir den Rhein hinauf kämen desto stärker ist dessen Strömung. Mit den 80 PS des Ford Diesels hatten wir eine gute Chance eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 10 km/h zu schaffen.

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Wenn wir nicht im trockensten Sommer seit Jahrzenten unterwegs gewesen wären. Was in der Ijssel kein Thema war holte uns auf dem Rhein sehr schnell ein, der Wasserstand. Jeden Hafen den wir anlaufen wollten riefen wir von unterwegs an, ob wir hineinkämen. Wir kamen bis zum Medienhafen nach Düsseldorf. Kein Hafen danach hatte noch genug Wasser, dass es für uns reichte.  So entschieden wir uns das Boot den Winter über dort zu lassen.

Ein Erlebnis welches wir kurz vor Düsseldorf hatten trug auch zu dieser Entscheidung bei. Unser Ruder blockierte plötzlich und ließ sich nicht mehr bewegen. Manövrierunfähig mitten auf dem Rhein ist kein Erlebnis was man braucht.  Da wir, bei gelegtem Mast, keine weite Funkverbindung hatten musste ich hoffen das jemand die Funksprüche überhaupt hörte. Nachdem Bert den Anker unten hatte, der zwar nicht hielt aber ein schnelles Abtreiben verhinderte, versuchten wir die Hydraulikanlage des Ruders wieder gangbar zu machen. Was auch gelang, zwar schwergängig aber wir hofften bis in die Marina zu kommen. Zwischendurch kam die Wasserschutzpolizei längsseits und blieb bei uns bis wir heile im Hafen lagen.

Während des Winters waren wir fast jedes Wochenende an Bord, der Motor musste Winterfest gemacht werden. Das gesamte Wasser aus Tank und Leitungen herausgebracht werden. Immer wieder kamen wir auch mit neuen Teilen an Bord.

Mal eine neue Heizung, mal ein „neuer“ Plotter, ein neuer Sitz für den Steuermann und eine Konstruktion mit der wir unser defektes Hydraulikgetriebe umgehen konnten.

Eine Woche vor Ostern 2019 ging es weiter. Vor uns lag nun noch die Loreley und das Binger Loch. Stromaufwärts hatten wir vor Beidem gehörigen Respekt.

Aber alles ging gut und so legten wir am Ostermontag in Rüdesheim an.  Wieder musste eine Pause gemacht werden und erst vier Wochen später ging es auf die letzte Etappe. Bei herrlichem Wetter konnten wir diese letzten Kilometer wirklich genießen, auch Buddy hatte sich an das Bordleben gewöhnt.

Mitte Mai bogen wir, bei Rheinkilometer 440 bogen wir in den Lampertheimer Altrhein ab. Noch 3 Kilometer und wir waren wieder dort angekommen wo wir ziemlich genau 10 Jahre vorher losgefahren waren.

Der Anfang

Anjuli Bai

Ist eine Nauticat 33, von der Siltala Werft in Finnland. Sie gilt bei vielen als Motorsegler und ist mit ihrem Ford Lehmann 80 PS auch gut motorisiert.

Bei einem Baujahr von 1978 hat sie die Baunummer 588 und ist ein wenig in die Jahre gekommen. Die Nauticat 33 ist 10,20m lang, 3,30m breit und hat einen Tiefgang von 1,25m.

Eigentlich ….

Eigentlich wollten wir kein Boot mehr. Nachdem wir 2015 zurück nach Deutschland kamen war das Thema Boot abgehakt. Ein Wohnmobil musste her. Unsere „Biene“ hatten wir ungefähr ein Jahr lang bis wir an einem Wohnmobilstellplatz an der Müritz in eine Marina kamen.

Ein halbes Jahr später war die „Biene“ verkauft und wir Besitzer eines recht großen Motorbootes. Aber irgendwie…

Damit war auch der Verbleib dieses Bootes nicht sehr lange und wir hatten einen Wohnwagen. Damit waren wir im August 2018 im Urlaub in Holland.

Wir machten Ausflüge und irgendwie landeten wir immer wieder in verschiedenen Marinas. Da stand sie dann aufgebockt an Land und wir konnten nicht anders als sie uns genauer anzuschauen.

Nein, wir wollen nicht noch einmal ein altes Schiff renovieren. Oder vielleicht doch? Den Rest unseres Urlaubs verbrachten wir mit täglichen Besuchen bei dem Yachtbroker. Irgendwann entschlossen wir uns dazu, sie im Wasser zu testen. Einen Tag später schwamm sie am Steg als wir kamen und einer Probefahrt stand nichts mehr im Weg. Was für ein Gefühl.

Natürlich nahmen wir uns noch Zeit und auch der Preis musste noch stimmen.

Als wir unseren Urlaub beendeten waren wir wieder Eigner eines Segelbootes.